Alles begann mit einer Postkarte. Mit dem Bild dieser beiden Jungen inmitten eines tristen Raumes vor Augen, habe ich das erste Kapitel der Geschichte geschrieben. Bisweilen war es nichts weiter als eine Kurzgeschichte, aber ich hatte Lust mehr aus den Jungen und dem Internat zu machen. Meine Sommerferien habe ich dann mit meiner Familie auf Sizilien verbracht. Dort habe ich weitergeschrieben, inspiriert von den Eindrücken, die ich dort gesammelt habe. Ich wollte die Geschichte einer Freundschaft schreiben, in einem Ambiente wie Sizilien in einer Zeit vor der Digitalisierung. Ich wollte über Freundschaften, Gespräche, Bilder, Momente und Menschen schreiben, von denen ich träume. Dabei sind die wichtigsten Aspekte wohl Federicos Verbundenheit zum Meer, seine Freundschaft mit Jonathan und die Beziehung zu seinem Großvater. Vielleicht auch der Sommer, der die Geschichten mit einer Leichtigkeit erzählen lässt und soviel Raum für Bilder und Stimmungen gibt.

 

Das Meer, diese große blaue Dame, umgibt ein Mysterium, das den Menschen schon immer reizt. In ihm kann man sich verlieren, sich in es verlieben, sich fürchten und wundern, es zur Mutter nehmen. All das tut Federico. Sein Meer, das hört ihm zu und wiegt ihn, wenn er traurig ist. Und dann ist da Jonathan. Der Junge mit dem eigenartigen Namen, der ein bisschen älter als Federico ist. Jonathan ist sehr viel mehr als nur ein Freund. Er ist der große Bruder, mit dem man sich die Haare rasiert, mit dem man auf weißen Felsen alte Holzstücke schnitzt und Krebse fängt. Er ist der Freund, mit dem man Mofas klaut, Mädchen hinterher schaut, Nonnas Feigen stiehlt, auf dem Fischmarkt in der Morgenröte hilft und abends auf warmen Asphalt Mundharmonika spielt. Jeden Sommer teilt Federico mit Jonathan.

Im Internat geben sie dann ihre Zweisamkeit für eine Freundesgruppe auf, die eine ganz eigene Dynamik hat und Mitglieder, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da gibt es Maria-Theresa mit der Jungenfrisur, den Schnürstiefeln und all den dreckigen Wörtern, die nicht nur Jonathan beeindruckt, sondern auch Federico. Die Jungen im Internat lachen über sie und träumen nachts von ihr und ihrem Diamantenohrring. Die Mädchen starren in der Umkleidekabine und stupsen sich mit den Ellenbogen an, wenn Maria an ihnen vorbei geht. 

Doch dann wird Marias Übermut allen zum Verhängnis, der schöne Nino zeigt seine hässliche Seite und die Freunde verbindet ein dunkles Erlebnis, dass Jonathan und Federico zurück in ihre Zweisamkeit entlässt.

 

Und zuhause, da gibt es den Großvater. Der hat so viele Seiten, wie das Meer Blautöne. Und Federico, der liebt ihn. Und hasst ihn und bewundert und belügt ihn. Der Großvater, der ist mürrisch und weiß viel, aber das Wissen, das gibt er nicht oft Preis, und der liebt seine Frau und seinen Enkel, aber auch das zeigt er nicht oft. Er zeigt seinem Enkel lieber, wie die Sonne das Meer weckt, wie man das Haus streicht und wie man schweigt.

 

Nachdem mir klar war, dass ”Jonathan und ich” ein größeres Projekt wird, habe ich meinen Lehrer gefragt, ob man die Geschichte nicht im Rahmen einer W-Seminararbeit weiterentwickeln könnte. Dabei sollte ich aber eine neue Umsetzung finden, oder wenigstens eine die wenig geläufig ist. Tja, das ist sie nun: die Website!