Liebe Nonna, lieber Großvater,

es wird Herbst. 

Das ist mein erster richtiger Herbst, denn es wird kalt.

Hier im Internat gibt es viele erste Male.

Auch das erste Mal Schnee.

Von meinem Fenster aus sieht man die Berge und sie sind weiß, 

nicht ganz, aber doch sehr.

Du wolltest mir einmal den Schnee zeigen, weißt du noch, Großvater?

Oben auf dem Etna. Damals habe ich gelacht.

Bald wird es Winter und bald habe ich Geburtstag.

Der erste Winter und der erste Geburtstag ohne euch.

Strick mir doch was, Nonna.

Hier gibt es mich und la famiglia, Roberto und Napoleon (das ist ein Schwein)

und außerdem noch Kramer (das ist auch ein Schwein, aber eins mit strenger Stimme und Tränensäcken, die gar nicht traurig, nur böse aussehen).

Ich lerne viel.

Ich weiß nun viel über deutsche und französische Schriftsteller und kann alle amerikanischen Bundesstaaten aufzählen.

Ich weiß, wie man Brot backt und kenne die Kriege.

Außerdem weiß ich, wie man den Schulhof putzt. 

Die meiste Zeit verbringen wir im Atelier. Roberto würde euch gefallen.

Die Tomaten hier schmecken nicht. Feigen gibt es keine.

Kommt ihr klar mit dem Telefonapparat?

Jonathan bestellt Grüße. Vermissen die Dorfjungen mich? 

Ich vermisse ihre Motorräder. Kramer hat eine Schwalbe, die hat die Farbe von meinem Meer. 

Das Meer in meinem Glas beginnt ein bisschen zu stinken, aber unser Meer stinkt auch manchmal, nicht wahr?

Eigentlich stinkt nur Papa nach Meer.

Zum Glück stinkt mein Meer nicht nach Papa.

Grüßt Alessia und Claudio.

Hat die Katze mittlerweile Junge?

 

Lieben Gruß, euer Federico.

 

Ach ja, die meisten nennen mich Rico Giusti. 

Rico mag ich nicht und la famiglia nennt mich Federico.

Zum Glück.